Hypnose
Termine FortbildungHypnose wurde bereits in der Urzeit der Menschheitsgeschichte für Heilzwecke eingesetzt. Sie gilt als älteste Form psychotherapeutischer Einflussnahme und gehört zu den ältesten Methoden psychologischer Schmerzkontrolle (Revenstorf, 2003). Mystische Zeremonien und Rituale bedienten sich hypnoider Zustände. Bereits im alten Ägypten (1550 v. Christus) gab es Hinweise auf hypnotische Formeln. Weiters fand Hypnose auch bei den heilsamen Tempelschlafkuren des Asklepioskultes der Griechen in der Antike (sog. Traumheilung) Verwendung.
Die wissenschaftliche Ära der Hypnose begann mit F. A. Mesmer (1734-1815). Er vertrat die Fluidumtheorie und hielt Hypnose für Magnetismus. Auch wenn seine Annahmen falsch gewesen sind, war er der erste, der um eine wissenschaftliche Erklärung der hypnotischen Phänomene bemüht war und diese in der medizinischen Wissenschaft zu etablieren versuchte.
Der Terminus Hypnose stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (1843) von dem englischen Augenarzt James Braid. Er verwendete den Begriff Hypnos (Hypnos= griechischer Gott des Schlafes) als Hinweis darauf, dass es sich bei dieser Methode um einen schlafähnlichen Zustand handelt. Der Ausdruck ging in die Wissenschaft ein und fand allgemeine Verbreitung. Er wurde auch dann noch beibehalten, als sich die Vorstellung über das Wesen der Hypnose durch neuere Erkenntnisse wandelte, z.B. in dem Sinn, dass alle hypnotischen Phänomene auch ohne hypnotischen Schlaf erzielt werden können (Bernheim 1888) – die Suggestion wirkt.
Hypnosebegriff im Wandel der Zeit:
Die Vorstellung über die Hypnose hat sich im Lauf der Zeit geändert. Jede Zeit versucht die faszinierenden und vielfältigen Erscheinungen hypnoider Zustände auf ihre Weise und ihrem soziokulturellen und wissenschaftlichen Stand entsprechend zu erklären. Alle Definitionen vermögen wegen der außerordentlichen Vielfältigkeit dieses Phänomens lediglich Teilaspekte zu erfassen.
Erscheinungsbild der klassischen Hypnose: James Braid verstand unter der Hypnose einen schlafartigen, stuporähnlichen Zustand, den er durch Fixierenlassen eines Gegenstandes mit gleichzeitiger Verbalsuggestion der Müdigkeit und Schläfrigkeit hervorrief.
Hypnose heute:
Eine methodisch bewirkte Veränderung des Bewusstseinszustandes, welche mit körperlich-seelischen Umschaltvorgängen einhergeht. Fokussierung der Aufmerksamkeit bringt eine Orientierung nach innen. Vertrauen und Einverständnis sind unerlässliche Vorbedingungen, um jemanden in Hypnose versetzen zu können. Die Anwendung von Suggestionen nimmt bei der Hypnose eine zentrale Rolle ein. Dabei werden im Unbewussten durch Vorstellungen Impulse induziert, welche eine sinngemäße und unbewusst ablaufende Reaktion hervorrufen können. „Richtungsweisungen“ nach Gheorghiu, „suggestiv-wirksame Vorstellungsimpulse“ nach Bölcs. Vorstellungen lösen zumindest ansatzweise Antwortreaktionen aus. Suggestibilität ist variabel: individuell und kontextabhängig. Die Fremdsuggestibilität nimmt mit dem Vertrauen, der Einengung des kritischen Bewusstseins und bei positiver Haltung zu.
Trance:
Trance ist ein veränderter Bewusstseinszustand, bei dem die Aufmerksamkeit auf äußere Umstände vermindert und in erhöhtem Maße der inneren Vorstellungs- und Erlebniswelt zugewendet ist. Trance kann spontan auftreten (Alltagstrance) oder herbeigeführt werden (induzierte Trance). Die Trance kann verschiedene Tiefengrade erreichen. Hypnose kann auch als ein künstlich herbeigeführter Trancezustand gesehen werden.
Bei der Fremdhypnose handelt es sich um eine vielschichtige interpersonale Beziehung. Das Hervorrufen imaginativer Vorstellungen durch die Sprache ist ein wesentlicher Faktor. Die Bündelung der Aufmerksamkeit bringt eine Orientierung nach innen. Das kritisch-analytische Denken und Bewusstsein ist bei fortschreitender Hypnosetiefe vermindert, die Suggestibilität ist erhöht. Körperliche, psychische und mentale Reaktionen und Fähigkeiten werden verbalsuggestiv über das gewöhnliche Ausmaß hinaus beeinflusst und verändert – darin ist die therapeutische Breite der Anwendbarkeit der Hypnose begründet.